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Wir können noch so gerne planen, wir können noch so gut managen – das Leben liebt Überraschungen. Ich schlage mich der Einfachheit halber selbst als Beispiel vor: Im vergangenen Januar lag das Jahr 2020 noch klar vor mir (ich bin selbstständiger Trainer in der Erwachsenenbildung): Meine Aufträge waren sicher, die Termine standen fest, es würde – auch finanziell – ein gutes Jahr werden. Doch seit dem 15. März ist alles anders: fast alle Aufträge des ersten Halbjahres wurden storniert, der Kalender ist leer, ein gutes Jahr nicht mehr in Sicht.
Ein- und Umbrüche gehören zu unserem Leben, sie nehmen in jeder Biografie sogar zu. Unsere Kinder werden mit mehr Lebenswenden zu tun haben als wir oder unsere Eltern. Da gibt es zum einen die erwartbaren Lebenswenden, z.B. der Auszug der Kinder aus dem Elternhaus oder der Tod der eigenen Eltern. Andere Lebensumbrüche führen wir selbst herbei, z.B. wenn wir uns von der Partner*in trennen oder uns selbstständig machen. Und schließlich gibt es die unerwarteten, un-verhofften Einbrüche, z.B. Erkrankungen oder ein Unfall. Oder eben die Corona-Pandemie.
Aus einem solchen Lebensum- oder einbruch muss nicht gleich und nicht bei jedem eine Krise werden. Manche Menschen können mit solchen Situationen relativ gelassen umgehen. Zumeist beruht das darauf, dass sie über ausreichend innere und äußere Ressourcen verfügen, um mit diesem eingetretenen "Störfall" angemessen umgehen zu können. Solche Ressourcen können die Familie oder Freunde sein, die einen z.B. in der Kinderbetreuung unterstützen. Das können auch Entspannungstechniken sein, die bei aufkommenden Panikgefühlen eingesetzt werden. Das können aber auch Rücklagen bei der Bank sein, die weggebrochenes Einkommen zu kompensieren helfen.
Vereinfacht könnte man sagen: Wenn die persönlich wahrgenommenen Ressourcen qualitativ und quantitativ höher sind als die die persönlich erlebten Herausforderungen, dann ist die Wahrscheinlichkeit geringer, dass wir einen Lebensumbruch als Lebenskrise erfahren. Oder umgekehrt:
(Wenn "erlebte Herausforderung" größer als "erlebte Ressourcen" = "wahrscheinliche Krise")
Es spricht also einiges dafür, sich in nicht-Krisenzeiten immer wieder einmal all seine Ressourcen bewusst zu machen (dazu später noch ein wenig mehr). Wenn sie aber nun da ist, die Krise, was ist dann zu tun? Der Jesuit Michael Bordt empfiehlt zwei Strategien:
1. Für grundlegende Bedürfnisse sorgen
Zum einen ist dafür zu sorgen, dass alle grundlegende Bedürfnisse eines Menschen befriedigt sind, z.B.: Isst und trinkt der Großvater genug, dessen Frau ins Krankenhaus eingeliefert wurde? Kommt die Mutter genug an die frische Luft, die mit ihren Kindern im Home-Office sitzt? Gute Ernährung, ausreichend Bewegung und Luft, genug Schlaf und die notwendige Körperpflege – das sind wichtige Grundlagen der Krisenbewältigung. Und natürlich gehören dazu auch der zwischenmenschliche Kontakt und die Sicherung der finanziellen Basis. Damit aus einer Krise keine Katastrophe wird.
Konkret: Was muss ich in der akuten Corona-Krise tun, damit ich und meine Familie „über die Runden kommen“? Ältere Menschen brauchen eventuell jemanden, der für sie einkaufen geht. Ich muss vielleicht für mich finanzielle Unterstützung beantragen. In der Home-Office-Familie muss abgesprochen werden, wie beide Elternteile Ruhe und Ausgleich zur Hektik finden.
2. Das Leben neu ausrichten
Zum anderen kann eine Krisenzeit dazu genutzt werden, dass eigene Leben – zumindest teilweise – neu auszurichten. Salopp ausgedrückt: Wenn dir dein gewohntes Leben gerade schon um die Ohren fliegt, dann versuche es doch so neu zu sortieren, dass es an Qualität gewinnt!
Konkret: Wenn die akute Corona-Krise vorbei ist – wie könnte ich dann mein Leben gestalten, damit es an Tiefe und Weite gewinnt, damit es mir lebens-werter erscheint? Inwieweit kann ich jetzt schon dazu die Weichen stellen? Ein „Zurück“ in die Vor-Corona-Zeit wird es aller Wahrscheinlichkeit ohnehin nicht mehr geben; warum dann nicht ein „Vorwärts“ zu dem, was ich immer schon einmal gewünscht oder ersehnt habe?! Und wenn’s nur ansatzweise ist.
Bei all dem ist es wichtig, das, was schon da ist, nicht zu übersehen – womit wir wieder bei den Ressourcen wären. Allgemein werden äußere und innere Ressourcen unterschieden: Äußere Ressourcen sind Menschen und Dinge in unserem Umfeld: die Familie, die Freunde, der Badesee, die Pfarrgemeinde, auch das Bankkonto oder der Sozialstaat.
Zu den inneren Ressourcen (siehe hierzu auch die Bildkartensammlung „Schön, dass es mich gibt“) gehören z.B.:
Wer es schafft, in dieser Weise Ressourcen-orientiert auf sich selbst zu schauen, kann Mut und Orientierung für stürmische Zeiten finden. – Und anderen (den Nachbarn, den Eltern usw.) zur Seite stehen:
Von seinen eigenen Ressourcen weiterzugeben, sie zu teilen, ist in Krisenzeiten nicht nur ein sozialer Akt, es ist eine weitere wichtige Quelle zur Krisenbewältigung. Denn Helfen hilft einem selbst.
Dr. Hubert Klingenberger ist freiberuflicher Dozent, Coach und pädagogischer Berater und Buchautor zu den Themen "Lernen", "Führen" und "Biografiearbeit".
Dr. Hubert Klingenberger ist freiberuflicher Dozent, Coach und pädagogischer Berater und Buchautor zu den Themen "Lernen", "Führen" und "Biografiearbeit". Der Autor ist Vater von zwei Söhnen.
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Dr. Hubert Klingenberger ist freiberuflicher Dozent, Coach und pädagogischer Berater und Buchautor zu den Themen "Lernen", "Führen" und "Biografiearbeit". Der Autor ist Vater von zwei Söhnen.
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